Anastasia, Band 4 • Schöpfung (Taschenbuch)

Wladimir Megre:

Anastasia, Band 4 • Schöpfung (Taschenbuch)

Band 4 der Anastasia-Reihe.

Leseprobe

Die Schöpfung

Leseprobe aus Kapitel 1 (S. 7-9):

«Ich werde dir jetzt über die Schöpfung erzählen, Wladimir, über das große Werk des kosmischen Vaters; dann wird jeder auf seine Fragen selber Antwort finden können. Höre einfach zu und schreibe meine Worte zum Nutzen der Menschen auf. Lausche mit deinem Herzen und versuche das Bestreben des göttlichen Traumes zu ergründen.»

Anastasia sah mich nachdenklich an und schwieg. Sie muss meinem Gesicht wohl die Zweifel abgelesen haben, die sich in mir regten. Ja, ich traute dem nicht, was sie mir da erzählen wollte von Gott und der Schöpfung. Und warum auch? Warum sollte ich – oder irgendjemand anders – dieser schwärmerischen Einsiedlerin ihre Phantasien ohne weiteres abkaufen? Sie hat keine historischen Beweise in der Hand. Wenn jemand mit Autorität über die Vergangenheit sprechen kann, dann die Historiker und Archäologen. Und was Gott betrifft, so wird über Ihn in der Bibel berichtet und in anderen heiligen Schriften – nur hat jede dieser Quellen etwas anderes über Ihn zu sagen. Nun, vielleicht hat ja niemand auf diesem Gebiet einschlägiges Wissen …

«Doch, es gibt solches Wissen, Wladimir», widersprach Anastasia plötzlich heftig und mit Überzeugung meinem unausgesprochenen Einwand.

«Und wo?»

«Alles Wissen, alle kosmische Wahrheit ist auf ewig gespeichert in der menschlichen Seele. Lug und Trug haben keinen dauerhaften Bestand, denn sie werden von der Seele als solche erkannt und abgelehnt. Um überleben zu können, müssen sie sich dem Menschen in immer wieder neuen Masken präsentieren, zum Beispiel in Form von so genannten wissenschaftlichen Abhandlungen. Auf der Suche nach der verlorenen Wahrheit wechselt die Menschheit ständig ihre Gesellschaftsformen, doch dabei entfernt sie sich nur noch mehr von der Wahrheit.»

«Ist es denn bewiesen, dass die Wahrheit in jedem Menschen wohnt? Und wo genau wohnt sie? In der Seele oder woanders? Und wenn das tatsächlich so ist, warum ist die Wahrheit uns dann verborgen?»

«Ganz im Gegenteil, jeden Tag ist sie bestrebt, sich unseren Blicken zu offenbaren. Das unversiegliche Leben ist Teil der Wahrheit, denn es kommt von der Wahrheit.»

Anastasia fuhr mit ihren Händen durchs Gras und streckte sie mir entgegen. «Schau, Wladimir! Vielleicht kann das deine Zweifel vertreiben.»

Auf ihren Handflächen sah ich ein paar Grassamen, einen Zedernkern und einen krabbelnden Käfer. Das war alles! Ich fragte sie: «Was hat das zu bedeuten? Ist etwas Besonderes mit dieser Nuss?»

«Sieh nur, Wladimir, das ist ein ganz kleiner Samenkern. Wenn er aber in die Erde gepflanzt wird, wächst aus ihm eine gigantische Zeder. Keine Eiche, kein Ahorn, kein Rosenbusch, nein, eine Zeder. Und diese Zeder wird weitere Zedernkerne hervorbringen, die alle die gleiche ursprüngliche Information der Quelle in sich tragen werden. Und egal wann ein solcher Zedernkern mit der Erde in Berührung kommt – ob vor einer Million Jahren oder in einer Million Jahren –, es wird immer nur eine Zeder aus ihm keimen. In jedem Samenkern ist die vollständige Information des Schöpfers enthalten. Es vergehen Äonen, aber die Information Gottes ist noch immer da, unauslöschlich. Und dem Menschen, der Krone der Schöpfung, hat Gott im Augenblick der Schöpfung alles gegeben. Alle Wahrheit und alle künftigen Errungenschaften hat der Vater in Seinem geliebten Kinde bereits von Anfang an angelegt. Gottes großer Traum lebt im Menschen weiter.»

«Und wie kommen wir an diese Wahrheit heran? Wo können wir sie aufstöbern? In den Nieren, im Herzen oder im Gehirn?»

«In den Gefühlen. Versuche die Wahrheit aus deinen Gefühlen heraus zu finden. Lass dich von deinem Empfinden leiten. Und befreie dich von allen Dogmen, die kleinlicher Selbstsucht erwachsen!»

Ein Paradies auf Erden

Leseprobe aus Kapitel 8 (S. 46-47):

«Anastasia, wenn doch am Anfang alles so wunderbar war, was ist dann passiert? Warum gibt es heute überall Kriege, und warum müssen die Menschen hungern? Wieso gibt es Diebstahl, Gangster, Selbstmorde und Gefängnisse, zerrüttete Familien und Waisenkinder? Wo ist die liebevolle Eva abgeblieben? Und wo ist Gott, der versprochen hat, dass wir auf ewig in Liebe leben würden? Da fällt mir gerade ein – in der Bibel wird darüber gesprochen. Der Mensch hat von einem verbotenen Baum einen Apfel gepflückt und gegessen; dann wurde er von Gott aus dem Paradies vertrieben. Gott stellte sogar Wächter vor den Toren auf, um die bösen Sünder ja nicht in das Paradies zurückzulassen.»

«Wladimir, Gott hat den Menschen nicht aus dem Paradies vertrieben.»

«Hat Er wohl – das habe ich gelesen. Er hat den Menschen dabei auch verflucht. Zu Eva sagte Er, dass sie sündig sei und dass sie ihre Kinder unter Schmerzen gebären würde. Und Adam sollte sein Brot im Schweiße seines Angesichts verdienen. So sieht die Welt ja auch aus heutzutage.»

«Wladimir, denk doch mal selber nach. Könnte nicht jemand mit dieser Logik – oder besser gesagt mit dieser Unlogik – seine eigenen Ziele verfolgen?»

«Von was für einer Logik und von was für Zielen sprichst du?»

«Bitte glaube mir. Jeder soll es lernen, sich mit seiner eigenen Seele zurechtzufinden und die Realität für sich selbst zu erkennen. Und wenn du nur ein wenig nachdenkst, wirst du verstehen, dass Gott den Menschen nicht aus dem Paradies vertrieben haben kann. Gott ist schon immer ein liebender Vater gewesen. Gott ist die ­Liebe. Hast du nicht auch darüber gelesen?»

«Gelesen schon.»

«Und wo bleibt da die Logik? Ein liebender Vater würde doch niemals seine Kinder aus dem Haus werfen! Liebende Eltern verzeihen ihren Kindern jede Missetat, selbst wenn sie selber Not leiden. Glaubst du, Gott sei das Leid der Menschen, Seiner Kinder, egal?»

«Keine Ahnung. Jedenfalls unternimmt Er nichts dagegen, so viel ist klar.»

«Was sagst du nur, Wladimir! Natürlich lässt Er den Menschen gewähren, denn Er hat ihm volle Freiheit gegeben, aber der Schmerz Seines Sohnes, des Menschen, dauert Ihn natürlich. Wie kann man nur so blind sein gegenüber dem Vater und Seine Liebe nicht erkennen?»

«Na, reg doch dich nicht gleich so auf. Woran zeigt sich denn diese göttliche Liebe heutzutage?»

«Schau dich nur mal aufmerksamer um, wenn du in der Stadt bist. Der natürliche Grasbewuchs ist von leblosem Asphalt und riesigen Betonklötzen bedeckt, Häuser genannt; zwischen ihnen sausen Autos umher, und alles ist gehüllt in Wolken todbringender Qualmschwaden. Doch mitten in diesem steinernen Chaos kommen Gottes Schöpfungen – Gras und Blumen – hervor, sobald sie auch nur ein wenig Platz finden. Durch das Rauschen der Bäume und das Zwitschern der Vögel ruft Gott all Seinen Töchtern und Söhnen zu, sie mögen ihre Lage überdenken und ins Paradies zurückkehren.
Da die Ausstrahlung der Liebe von der Erde schon seit langem abnimmt, sollte auch die Reflexion der Sonne eigentlich viel schwächer sein. Doch mit Seiner Energie verstärkt Gott unermüdlich ihre leuchtenden Strahlen. Seine Töchter und Söhne liebt Er wie ehedem. Und nach wie vor glaubt Er, träumt davon und wartet darauf, dass der Mensch am nächsten Morgen plötzlich erwachen und der Erde ihre ursprüngliche Blüte zurückgeben wird.»