LeseprobeAus der Einleitung Nach meinem Studium der Psychologie, gefolgt von rund dreißig Jahren privater Erforschung des menschlichen Geistes und des «inneren Kosmos» mit den verschiedensten Methoden, entwickelte ich als praktizierender Psychologe allmählich ein System, das ich «MindWalking» getauft habe. Dahinter steckt ein uraltes psychologisches Konzept. Es beruht auf einem ganzheitlichen Verständnis von Körper, Geist und Seele und steht damit im Gegensatz zur gegenwärtigen Schulpsychologie, deren Menschenbild zum überwiegenden Teil von neuronalen Funktionen und lerntheoretischen Gesetzmäßigkeiten geprägt ist. Wichtige Inspirationen strömten aus indischen und fernöstlichen Quellen ein, insbesondere durch meine praktische Schulung in Yoga, Meditation und Aikido. [...] In meiner Praxis treffe ich wiederholt mit Menschen zusammen, die sich, während sie ein gegebenes Lebensproblem auf seine Ursache zurückverfolgen, an vergangene Leben erinnern. Manche Sitzungspartner werden sich darüber hinaus außerkörperlicher Erlebnisse bewußt, andere ihrer telepathischen Verknüpfung mit Personen der Gegenwart oder Vergangenheit. Gelegentlich wird sogar von der Herkunft aus anderen Welten berichtet. Die Häufung dieser Schilderungen läßt vermuten, daß es sich hier um ein allgemein-menschliches Phänomen handelt, nicht um Sonderfälle verschrobener Individuen. Offenbar liegt in den tieferen Dimensionen der Psyche eine Unmenge an Erinnerungsmaterial höchst ungewöhnlichen Charakters verborgen, das die Vorstellungen und das Verhalten von Menschen bestimmt, ohne daß diese sich dessen bewußt sind. Im Rahmen von MindWalking-Sitzungen zeigt sich, daß beliebige Sitzungspartner ohne vorherige «Einschulung» in diese tieferen Dimensionen vorzudringen und sich dieses Material bewußt zu machen vermögen. Weiterhin zeigt sich, daß sie danach ein freieres und unbeschwerteres Leben führen. Offenbar hat das eine etwas mit dem anderen zu tun. [...] In unserer inneren Welt sind unendlich viele Bilder, Erinnerungen und Eindrücke gespeichert. Entstanden ist diese «mentale Datenbank» durch unsere Interaktion mit den Objekten der äußeren Welt und durch unsere Kommunikation mit anderen Wesen, seien dies Menschen, Tiere, Pflanzen, Geister, Engel oder Dämonen. Kommunikation im weitesten Sinn (ob freundlich oder unfreundlich) bedeutet, daß die Mentalströme verschiedener Personen in eine wechselseitige Beziehung treten und sich vermischen. Dadurch sind Menschen direkt oder indirekt miteinander vernetzt, auch über Raum und Zeit hinweg. Dieses universale Phänomen, von dem Großteil dieses Buches handelt, lässt sich vergleichen mit einem «Internet der Seelen». Über dieses metaphysische Netz können Menschen und geistige Wesen jeglicher Art bewußt oder unbewußt in Kommunikation miteinander stehen. Ist die Resonanz zwischen einem bestimmten Sender und Empfänger stark genug, so kann es sogar zu einem ungewollten telepathischen Downloading von Information und Emotion kommen. Im Extremfall vermag sich eine solche Verbindung zu einer regelrechten telepathischen «Standleitung» auszuweiten. Selbst wenn man es nicht bemerkt, kann man unter dem Einfluß fremder Wesen stehen. Beim nichtsahnenden Empfänger können auf diese Weise Verhaltensmuster wie Ängste, Zwänge oder Süchte verursacht bzw. verstärkt werden. Es ist wie mit der radioaktiven Strahlung: Man wandert durch ein verseuchtes Gebiet, ohne etwas zu merken. Erst hinterher spürt man die Konsequenzen. Der Vergleich mit dem Internet liegt nahe. Was aber im Computernetzwerk über technische Geräte zuwege gebracht wird, das läuft im Internet der Seelen über telepathische Verbindungen. Denkt man diesen Gedanken konsequent zu Ende, so läßt sich folgern, daß potentiell alle Wesen dieser Welt geistig miteinander vernetzt sind. [...] MindWalking wird bei ganz normalem Tagesbewußtsein durchgeführt, also ohne Hypnose, Medikamente, Drogen, rituelle Beschwörungen oder meditative Musik. Vom Sitzungspartner wird volle Bewußtheit gefordert. Mit wachem Geist soll er sich den Bildern aus seiner Innenwelt stellen. Abgesperrte Erinnerungsbereiche öffnen sich dem Zugriff, verdrängte Emotionen wallen auf, werden durchlebt, klingen wieder ab. Emotionales Verständnis ist gefragt, nicht bloß intellektuelles. Kopf und Bauch gemeinsam. (S. 13-20) Aus den Sitzungsprotokollen: Norbert Norbert: Reinkarnationserinnerung durch Internet bestätigt Dem 45-jährigen Norbert mangelt es an Zukunftsorientierung. Früher, als Student, träumte der heutige Manager von einer Karriere im akademischen Bereich. An einen recht altertümlichen Hörsaal an der Universität Köln, wo er sich «so richtig zu Hause gefühlt» habe, erinnert er sich gerne zurück. Doch fehlte ihm schon damals die rechte Zielausrichtung, und aus der akademischen Karriere wurde nichts. Haben die alten Holzmöbel, die eichene Wandtäfelung und die besondere Stimmung jenes Raumes Norbert vielleicht an frühere, weiter zurück liegende Räume erinnert? So frage ich ihn, denn seine emotionale Bewegtheit wie auch der gleichzeitige Ausschlag des mindwalkers lassen vermuten, daß hier eine Einschaltung angetippt wurde. Innerhalb weniger Minuten erscheinen Szenen aus der Vergangenheit auf Norberts geistigem Bildschirm; seine Augen werden feucht. Zurückversetzt ins Jahr 1624 erblickt er einen knapp 30-jährigen Mann, der einen leeren Hörsaal der Universität Tübingen besichtigt, bereit, dort einen Lehrstuhl zu übernehmen. Norbert schließt nicht aus, daß es sich um ihn selbst in einer früheren Inkarnation gehandelt haben könnte. Jener junge Mann, so Norberts Erinnerung, hatte zunächst Pfarrer werden wollen, doch wurde ihm seitens eines bedeutenden Förderers die akademische Laufbahn ermöglicht. Jedoch erlitt seine Universitätstätigkeit einen jähen Schlag, als ein Teil des Lehrgebäudes abbrannte und er hilflos vor den verkohlten Resten des Hörsaals und einer ruinierten Zukunft stand. Ein hochwichtiges Projekt hatte nicht zu Ende geführt werden können. Welches das gewesen sein mochte, stellt sich in Norberts Erinnerung jedoch nicht heraus. Soweit die erinnerten Erlebnisse. Norbert fühlt sich von dem Erschauten persönlich zutiefst angesprochen, es läßt ihm keine Ruhe. Wieder zu Hause, setzt er sich an den Computer und gibt in die Internet-Suchmaschine drei Wörter ein: «Tübingen – 1624 – Brand». Zu seinem äußersten Erstaunen wird ihm der Name und die Lebensgeschichte eines Tübinger Gelehrten namens Wilhelm Schickard präsentiert! Alles, was Norbert als Erinnerung erschaut hat, bestätigt sich hier: Geboren 1592, wurde Schickard mit 18 Jahren zunächst Pfarrer, schlug aber bereits nach kurzer Zeit eine Universitätslaufbahn ein, die ihm der württembergische Herzog ermöglichte. Dieser hoffnungsvollen Zukunft wurde ein jähes Ende gesetzt, als die Tübinger Universität während der Wirren des 30-jährigen Krieges abbrannte. Parallelen zum eigenen Leben tun sich Norbert auf: Er selbst hatte einmal mit dem Gedanken gespielt, Pfarrer zu werden. Als er Tübingen erstmals kennen lernte, verspürte er zu dieser Stadt sofort eine unerklärlich hohe Affinität. Des Weiteren sah Norbert in seiner Sitzung den damaligen «jungen Mann» als Kind in dörflicher Umgebung, als er mit Holzleisten Bastelarbeiten ausführte. Nun, Schickards Vater war Schreiner und Werkmeister gewesen, sein Onkel ein berühmter Baumeister. Norbert selbst wollte als Kind Baumeister werden (wie Schickards Onkel), später aber Erfinder (wie Schickard selbst). Denn es war Schickard gewesen, der 1623 für den kaiserlichen Mathematiker und Astronomen Johannes Kepler die erste Rechenmaschine baute. Die beiden einzigen Exemplare dieser Maschine kamen abhanden, eine beim Brand der Tübinger Universität, die andere durch die Kriegswirren (womit wir nun wissen, was das hochwichtige Projekt war, das nicht zu Ende geführt werden konnte, nämlich nichts weniger als die Erforschung des Kosmos). Weiterhin machte Schickard einige bedeutende Erfindungen im Bereich der Kartographie. Im Jahre 1635 starb er an der Pest. Und Norbert? Immer in Schickards Fußstapfen, nahm er als Kind Uhren auseinander, kaufte sich als Junge mit dem Geld aus der Spardose einen Taschenrechner, programmierte an den ersten Computern herum, arbeitete schließlich im Rechenzentrum. Heute ist er Marketingleiter einer Computerfirma. Die damals abhanden gekommenen Rechenmaschinen ließen ihm offensichtlich keine Ruhe. Privat fühlt sich Norbert fasziniert von der Möglichkeit einer Synthese zwischen psychologischem, religiösem und naturwissenschaftlichem Wissen. Und Schickard? Der war mit Johann Valentian Andreä befreundet gewesen, dem Verfasser eines der Gründungsmanifeste der Rosenkreuzer, die sich zu jener Zeit anschickten, die Brücke zwischen Glauben und Wissen zu finden. Aus irgendeinem Grunde spielte Norbert den Schickard nach, ohne auch nur seinen Namen zu kennen. Wenn er wen brauchte, mit dem er sich identifizieren konnte – noch dazu unbewußt! –, warum dann gerade den Schickard und keinen anderen? Oder sollte Norbert gar doch der wiederauferstandene Schickard sein? (Praktisch gesprochen wäre die letztere Annahme die akzeptabelste, denn sie hat unter allen möglichen den Vorzug, daß sie die naheliegendste und einfachste ist.) (S. 68-70) Aus den Sitzungsprotokollen: Charlotte Charlotte: Trotz Vollnarkose voll dabei Mit Charlotte, einer erfolgreichen Unternehmerin, geht es seit einem halben Jahr geschäftlich bergab. Nichts wird verkauft, kein Geld kommt herein. Charlotte weiß nicht, woran es liegen könnte. Das nagende Gefühl hat sich in ihr festgesetzt: «Das wird nichts mehr!» Sie ist verzweifelt. Wir stellen fest, daß die Talfahrt nach einer Schilddrüsen- operation begann. Vorher lief alles bestens. Irgend etwas muß sich also während dieser Operation zugetragen haben. Aber was? Denn schließlich war Charlotte zum fraglichen Zeitpunkt unter voller Anästhesie. Wir durchlaufen das Operationsgeschehen einige Male. Mit jedem Mal werden mehr Details an die Oberfläche des Bewußtseins geschwemmt. Schließlich kann sich Charlotte an die gesamte Operation erinnern. Während des Geschehens schwebte sie als feinstoffliches Geistwesen über dem Operationstisch und verfolgte jede Bewegung des Chirurgen und der Schwester. Sie hörte jedes Wort. Da sagte der Chirurg mit einem Blick aus dem Fenster zur Schwester: «Das wird nichts mehr!» Jetzt, während unserer Sitzung, wird Charlotte klar, daß sich dieser Satz auf eine Verabredung der beiden bezogen haben muß, aus der wegen des schlechten Wetters nichts mehr wurde. Doch in ihrem nur halbbewußten Zustand während der Operation, in dem sie alles unterschiedslos aufnahm, bezog sie diesen Satz auf sich selbst. Er wirkte im Sinne eines posthypnotischen Befehls und bestimmte ihr weiteres Leben. Von nun an glaubte sie, «daß das nichts mehr wird». Ein posthypnotischer Befehl ist eine Anweisung des Hypnotiseurs an den hypnotisierten Klienten, verbunden mit der Aufforderung, diese Anweisung erst nach (lateinisch «post») dem Erwachen aus der Trance auszuführen. Während der Operation verwendete der Chirurg ein Instrument, dessen Zweck Charlotte in unserer Sitzung nicht enträtseln kann. Die Sache interessiert sie, daher fragt sie den Chirurgen einige Wochen später danach. Der ist mit Recht verblüfft – denn wie kann Charlotte wissen, welche Instrumente er verwendet hat, da sie doch unter Vollnarkose stand? (S. 83-84) Aus den Sitzungsprotokollen: Thomas Thomas: Verstorbene Katholikin braucht Zuspruch Es folgt ein Ausschnitt aus einer Sitzung mit Thomas, einem 55-jährigen Elektronik-Ingenieur, der mit MindWalking bereits Vorerfahrung hat. Seit gut einer Stunde befinden wir uns in einer Sitzung. Obwohl bisher alles ganz prima lief, bleibt aus noch nicht bekanntem Grunde eine unangemessen hohe Grundspannung bestehen. Vom Gefühl her haben wir im Hinblick auf das behandelte Thema ein Endergebnis erzielt, Thomas fühlt sich prächtig – und trotzdem setzt keine Entspannung ein. Was ist los? Ich frage Thomas, ob unsere Sitzung vielleicht aus einer ganz unerwarteten und bisher ignorierten Ecke beeinflusst wird. Klebt seine Aufmerksamkeit an irgend etwas fest? Thomas schaut sich einige Sekunden lang in seinem geistigen Raum um. Thomas sagt, daß er Angst, Verwirrtheit und Hoffnungslosigkeit spüre. Wessen, frage ich (denn so munter, wie er mir gerade gegenüber sitzt, kann es nicht seine eigene sein). Von einem Geist komme das, sagt Thomas, und zwar sei es ein weiblicher. Der Geist wisse nicht, was er tun soll. Thomas stellt sich weiter auf die Quelle dieser Information ein. Schlagartig wird ihm klar, um wen es hier geht, nämlich um Marion, eine vor zehn Tagen verstorbene Verwandte, die sehr katholisch war. Sie ist enttäuscht, denn den Himmel, den sie sich ausgemalt hat, findet sie nach ihrem Ableben nicht vor. Daß wir mit ihr ins Gespräch kommen, erleichtert Marion sehr. Sie macht sich Sorgen um ihre Tochter. Marion hatte erwartet, ihrer Tochter «vom Himmel aus» besser helfen zu können. Daraus wird nun nichts, weil Marion mit ihrem für sie ungewohnten körperlosen Zustand nicht zurechtkommt. Thomas, als Vertrauter der Familie, beruhigt sie. Wo würde sie sich wohlfühlen, lasse ich Thomas sie fragen, wo zieht es sie hin? In die Schweiz zu Verwandten, antwortet Marion, aber dort sei es eher eng – vielleicht nach Kanada, wegen der Natur? Sie wirkt unschlüssig. Ich fordere sie auf (über Thomas), sich bei ihrer Zukunftsplanung insbesondere auf ihre geistigen Ziele als Katholikin zu besinnen. Das hilft. Die nächste Antwort kommt mit Entschiedenheit: Nach Nordschottland will Marion, auf die Hebriden; in der nahezu klösterlichen Abgeschiedenheit dieser Gegend möchte sie eine spirituell orientierte Kindheit und Jugend verbringen. Marion zieht sich langsam zurück; ihr Draht zu Thomas wird dünner. Sie schaut noch lange zu ihrem Mann und ihren Kindern hinunter. Dann fragt sie Thomas, ob sie sich auch später noch an ihn wenden könne, «falls was sein sollte»? «Klar», sagt Thomas. Und weg ist Marion! Spurlos verschwunden. Nicht mehr auffindbar. (S. 214-215) |
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